Schluss mit dem Sanierungsstau – dank WEG-Modernisierung schneller zur E-Auto-Ladesäule

Der Bundestag berät derzeit auf Vorschlag der Bundesregierung, wie das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) in wesentlichen Punkten der veränderten Lebensrealität seit 1951 angepasst werden kann. Unter anderem soll sich das Machtverhältnis zwischen Wohnungseigentümer und Verwalter fundamental ändern.

Der Verwalter bekommt mehr Rechte und Pflichten

Besonders der Handlungsspielraum des Verwalters könnte durch eine Auflösung des bisherigen Aufgabenkatalogs in § 27 WEG ausgedehnt werden, was ihm eine größere Flexibilität etwa bei dringenden Maßnahmen einräumt. Damit einher gehen aber auch ausgeweitete Pflichten für den Verwalter. So sollen ihm in Zukunft die Auskunft über Verwaltungsunterlagen und die Erstellung eines jährlichen Vermögensberichtes über die wirtschaftliche Lage der Wohnungseigentümergemeinschaft auferlegt werden. Sollte das Vertrauen zwischen den Wohnungseigentümern und dem Verwalter brüchig werden, ist darüber hinaus eine Trennungsmöglichkeit vorgesehen.

Wohnungseigentümer werden entmachtet

Auch die Eigentümer selbst sind von den vorgesehenen Änderungen des Gesetzes betroffen: Sie werden in ihren Rechten gestärkt und können eigenverantwortlich und auf eigene Kosten Baumaßnahmen vornehmen, für die es bisher der Zustimmung aller oder fast aller Eigentümer bedurfte und die somit häufig an einer Minderheit der Wohnungseigentümer gescheitert sind. So soll der Sanierungs- und Modernisierungsstau besonders in älteren Gebäuden beendet werden. Das betrifft einfache Arbeiten wie Fahrradständer, aber auch die energetische Sanierungen der Gebäude sowie die Installation von Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge. Sogar der Anbau von Balkonen und der Einbau von Fahrstühlen sollen in Zukunft einfacher beschlossen werden können. Um solche Maßnahmen umzusetzen, reicht bei Verabschiedung des Gesetzesentwurfs nämlich künftig eine einfache Mehrheit der Eigentümerversammlung aus.

Potenzial für Zündstoff – das sollten Verwalter beachten

Die vorgesehenen Änderungen des Gesetzes führen in Gänze zu einer Stärkung des Wohnungsverwalters und zu einer Schwächung der Eigentümerversammlung und könnten so zu einer ungekannten Effizienz bei der Umsetzung lange aufgeschobener Bauvorhaben führen. Andererseits lassen sich Konflikte zwischen Wohnungseigentümergemeinschaft und Verwalter absehen, da der erweiterte Kompetenzumfang für Verwaltung in der geplanten Regelung stark vom Einzelfall abhängt. Im Zweifel sollten sich Verwalter zur Vermeidung von Haftungsrisiken dann erst Recht vorher bei der Wohnungseigentümergemeinschaft absichern.